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Wie Avanti zur roten Farbe kam

von Hans-Peter Christoph

Ich muss etwa 16 gewesen sein, als mich mein Freund Martin fragte, ob bei meinen Eltern nicht die Möglichkeit bestünde, einen VW-Bus unterzustellen. Wir wohnten in der Ortenau auf dem Dorf, und wir hatten Platz. Das war 1974, also schon einige Zeit her.

Es war ein ehemaliger Mannschaftswagen der Feuerwehr, Baujahr 1955, mit zweiteiliger Frontscheibe. Das Getriebe war kaputtgegangen und sollte irgendwann repariert werden. Als Feuerwehrbus war er natürlich rot. Feuerwehrrot. Einfach ein richtig rotes Rot. Keine andere Farbe passte besser zu diesem Bus mit den verchromten Radkappen, die ich auf Hochglanz brachte. Meine ganze freie Zeit verbrachte ich mit diesem Auto, saß mal am Lenkrad, mal hinten drin, betrachtete ihn von außen und malte mir aus, wie ich damit einmal mit meinen Kumpels herumfahren würde … Wunderbar würde es sein, damit an den Baggersee zu fahren oder nach Straßburg. Oder nach Südfrankreich, nach Saintes-Maries-de-la-Mer und nach Sète. Oder noch viel weiter, durch Spanien bis nach Marokko! Und am aufregendsten, so malte ich mir aus, wäre es, damit nach Indien und Nepal zu fahren – mit einem großen Peace-Zeichen anstatt des VW-Logos auf der Front! Und alle langhaarigen Anhalter hätten Platz darin.

Leider war ich erst sechzehn und ging noch zur Schule. Ein paar Monate später holte Martin den Bus auch schon wieder ab. Das war schade, aber ein alter roter VW-Bus mit der geteilten Frontscheibe war von nun an fester Bestandteil meiner Tagträumereien. Sowie ich nach dem Abitur mein erstes Geld verdient hatte, legte ich mir so einen VW-Bus tatsächlich zu. Er war zwar nicht rot sondern blau-weiß, aber mit Pinsel und Farbrolle hatte ich ihn schnell in meinen roten Traum-Bus verwandelt. Nach Spanien, nach Portugal, auch nach Marokko, nach Griechenland und in die Türkei fuhr ich damit. Nach Indien und Nepal schaffte ich es leider nicht mehr. Die Interessen hatten sich verlagert und irgendwann war ich auch Rost und Reparaturen leid. Auf dem Foto oben links ist er zu sehen, auf einer Aufnahme, die 1987 in Andalusien in der Nähe von Carboneras nahe dem Naturpark Cabo de Gata entstand. Der junge Mann, der davor sitzt und eine selbst gedrehte Gauloise raucht, bin ich.

Mittlerweile waren die Träume größer geworden. Der erste richtige und große Omnibus kam 1991 ins Haus. Dass er rot sein musste, war von vornherein klar und zu dem italienischen Namen, den wir unserer neu gegründeten Firma gegeben hatten und der »vorwärts«, »voraus«, »weiter« bedeutete, hätte sowieso nur leuchtendes Rot gepasst. »Avanti popolo …« Auch italienische Autos sind immer rot, zumindest die Ferraris. Also ließen wir ihn rot lackieren. Ferrari-Rot heißt das Rot unserer Busse offiziell zwar immer noch. Wir aber sprechen nur noch von Avanti-Rot. Sie wahrscheinlich auch, oder?