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Einmal Sonne und zurück

Von Katharina Schneider (erschienen im Reisemagazin der Badischen Zeitung vom 20. Mai 2005)

UNTERWEGS MIT DEM BUS: Bei der Tagesfahrt ins schöne Mailand kommt Urlaubsstimmung auf

Knapp 20 Stunden dauert die Tagesfahrt von Freiburg nach Mailand und zurück. Die Reise ist der Renner des Freiburger Busunternehmens "Avanti" und fast immer ausgebucht. Doch wie viel Mailand passt in einen Tag? Unsere Mitarbeiterin ist mitgefahren. 

Unsere Mitarbeiterin ist mitgefahren. Punkt sechs Uhr am Samstagmorgen fährt er ab, der Bus von Freiburg nach Mailand. Noch etwas schlaftrunken schaut die Reisegesellschaft aus. Im hinteren Teil des Gefährts macht es sich eine Gruppe junger Männer bequem. Busfahrer Gerd-Peter beäugt sie misstrauisch: Männer sind eine seltene Spezies auf der Mailandfahrt. Und höchstens als Begleiter einer kauflustigen Gattin oder Freundin anzutreffen. Ob Oma und Enkelin oder Freundinnenpaar: Frauen geben den Ton an im Avanti-Bus. Die zweitgrößte Stadt Italiens ist schließlich die Hauptstadt der Mode, ein Einkaufsparadies!

Gerd-Peter wird unruhig: Das Rätsel um die jungen Herren treibt ihn um. Betrinken könnten die sich, auf den Rastplätzen schon, aber Unruhestifter duldet er nicht in seinem Bus. Die Mailandfahrt ist nämlich eine friedliche Angelegenheit. Nachgefragt und aufgeatmet: Die potenziellen Störenfriede entpuppen sich als friedliche Studenten auf dem Weg in die Sonne. In Freiburg regnet es doch schon viel zu lange.

Und so kann die Fahrt unbeschwert weitergehen, vorbei an Schweizer Seen, bewaldeten Hügeln und malerischen schneebedeckten Alpengipfeln. Noch regnet es, doch kaum ist der Gotthard-Tunnel durchquert strahlt die Sonne vom blauen Himmel. Die italienische Grenze ist passiert - Mailand naht, die Reisegäste werden munter. Stadtpläne werden verteilt und Insidertipps ausgetauscht: Wo schmeckt die Pizza? Und wo das Eis? Wo befinden sich die billigsten "Outlet"-Geschäfte? Ein junges Pärchen kennt sich aus und gibt bereitwillig Auskunft.

Zur Mittagszeit ist Mailand erreicht. Die Sonne scheint, Vespa-Fahrer brausen laut hupend durch die Straßen, Palmen rascheln im warmen Wind: Urlaubsgefühle stellen sich ein. Der Bus parkt nahe dem Stadtzentrum am mächtigen "Castello Sforzesco". Jetzt aber los! Acht Stunden Aufenthalt sind geplant, die müssen reichen.

Der Großteil der Busreisenden stürzt sich ins Einkaufsvergnügen und verschwindet in Richtung Domplatz. Rund um den strahlend weißen Mailänder Dom wird den Besuchern auch einiges geboten. In der spektakulären "Galleria Vittorio Emanuele II" locken teure Modegeschäfte von Louis Vitton bis Prada. In den belebten Straßen rund um den Dom reihen sich schicke Restaurants, bunte Geschäfte und edle Cafés aneinander. Ziel vieler Freiburger Tagesfahrtler: "La Rinascente", eines der größten Kaufhäuser der Stadt.

Wer sich erfolgreich durch die Menschenmassen gewühlt hat, gönnt sich ein kühles Eis auf dem schattigen Platz vor der berühmten Mailänder Scala. Oder einen starken italienischen Espresso in einem Straßencafé am Domplatz. Von dort aus lässt sich auch gut das Wahrzeichen Mailands bewundern und das bunte Treiben auf der großen "Piazza Domo" beobachten. Brautpaare aus aller Welt posieren für ihre Hochzeitsfotos, Straßenhändler preisen Waren an und Kinder jagen die unzähligen handzahmen Tauben. Mailand hat neben den Kaufhäusern aber noch viel mehr zu bieten.

Für Genießer und Sonnenanbeter empfiehlt sich ein Tag in Mailand "mal ganz anders".

Unweit des Stadtzentrums befindet sich die "Piazza St. Agostino". Auf dem dortigen quirligen Markt erleben Besucher Italien pur: Einheimische Händler preisen lautstark Gemüse und Obst, aber auch preiswerten Schmuck und Kleider an.

Es lohnt sich, über den Markt zu bummeln, Vorräte für ein kleines Picknick einzukaufen und es in einem der vielen idyllischen Parks der Stadt in der Sonne zu genießen. Durch verschlungen-malerische Gassen über die geschäftige Einkaufsmeile "Via Torino" und den Domplatz führt der Weg zurück zum Castello. Wer nicht so viel gehen mag, fährt mit der U-Bahn oder der alten orangenen Straßenbahn - eine Fahrt kostet nur einen Euro. Der Aufenthalt in Mailand geht zu Ende.

Pünktlich um 20.30 Uhr sitzt die Reisegesellschaft samt voller Einkaufstüten wohlbehalten im Bus auf dem Weg nach Hause, die muntere Männergruppe inklusive. "Nur" Sonne getankt haben sie allerdings nicht: Die schönen Italienerinnen haben es ihnen dann doch mehr angetan. Nachts um drei ist Freiburg erreicht, etwas später als erwartet: Stau am Gotthard, das kann passieren. Erschöpft, aber zufrieden steigen die Reisegäste aus dem leuchtend roten Bus.

Gerd-Peter freut sich. Fazit: Gelohnt hat sich der kleine Urlaub in der Sonne Italiens auf jeden Fall. In Mailand lässt sich auch in nur acht Stunden so allerhand erleben, und schon allein die Panoramafahrt durch die Alpen war die Reise wert.

Avanti bietet regelmäßig auch noch andere Tagesreisen an, zum Beispiel nach Lyon. Generell gilt: Wer spontan Lust auf Tapetenwechsel und Ferienatmosphäre hat, Fremdsprachenkenntnisse auffrischen mag, aber am liebsten im eigenen Bett schläft, der ist auf einer Tagesreise genau richtig. 
(Katharina Schneider)

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