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14 000 KILOMETER: Nächster Halt Peking

in der Badischen Zeitung vom 03.07.2008

Die Teilnehmer der Mammutreise von Freiburg nach Peking sind mittlerweile in Zentralasien angekommen
Rund 14 000 Kilometer lang ist die Strecke Freiburg — Peking: Auf weiten Teilen der Seidenstraße fährt der Freiburger Busunternehmer Hans-Peter Christoph mit einer 24-köpfigen Reisegruppe derzeit nach Peking. Nach der Station im iranischen Isfahan ist die Gruppe in Zentralasien, in Samarkand, angekommen. Mit dabei: der ehemalige Studioleiter des SWR in Freiburg, Roland Schrag.

Zentralasien, die ganz und gar unbekannten Region zwischen Iran und China, auch für Hans-Peter Christoph. Ihn, den Chef der Avanti-Busreisen, der sich diese Pionierreise bekanntlich zum eigenen 50. Geburtstag schenkte, hatten seine Fahrten bislang nur bis Isfahan geführt. Während wir noch im Geiste die Städtenamen Buchara, Samarkand und Taschkent wie Märchen aus Tausend-und-einer-Nacht buchstabierten, bewegten unseren "Hanus Kaptan" (wie ihn ein türkischer Geschäftsfreund getauft hat) zunächst noch ganz reale Sorgen beim Gedanken an die zahlreichen Grenzen, die er mit seinem Bus und uns passieren muss.

Hans-Peters Sorgenfalten glätteten sich dann ganz rasch, denn die Grenz- und Zollformalitäten vollzogen sich bisher erstaunlich unproblematisch. Zwar dauerte es stundenlang — erst bei der Aus-, dann bei der Einreise, bei 35 Grad im Schatten, ohne Sitzgelegenheit, kauernd auf Treppenstufen und Randsteinen. Aber wir mussten keine Koffer und Taschen öffnen und keine peinliche Befragung über uns ergehen lassen. Für die turkmenischen und usbekischen Soldaten und Zöllner war die Begegnung mit dem großen roten Bus und den vielen Fremden ebenso aufregend wie umgekehrt für uns. Wir verabschiedeten uns mit gegenseitigem Lachen und Scherzen — in Zeichensprache, versteht sich.

Die Straßen in Turkmenistan, schlimmer noch in Usbekistan, sind zum Teil in verheerendem Zustand. Tiefe Schlaglöcher sind häufig nur in letzter Sekunde zu erkennen. Die Achsen krachen, die Federung stöhnt, im Gleichklang stöhnen Antony, der für alle Notfälle an Bord befindliche Service-Techniker, der seinen Bus wie’s eigene Kind liebt, und auch Eigentümer Hans-Peter. Die beiden verbindet ein besonderes Hobby: Keine bedeutende Sehenswürdigkeit auf unserer Route, vor die Hans-Peter seinen Roten nicht chauffiert hätte, um das prächtige Gefährt vor nicht weniger prächtiger Kulisse abzulichten.

Der Orient in Zentralasien sieht russisch aus, spricht russisch und trinkt Wodka. Mary in Turkmenistan, ebenso die usbekischen Buchara und Samarkand sind völlig sowjetisch anmutende Großstädte. Monumentalbauten säumen viel zu breite Boulevards und monströse Plätze. Auch 16 Jahre nach der Wende wird noch so gebaut wie vorher. Unser Hotel "Buchara Palace" , erst vor elf Jahren von Indern gebaut und seither von Deutschen geführt, ist eine 430-Betten-Burg ganz im sowjetischen Stil. Aber das Wasser läuft und die Toiletten auf den Zimmern funktionieren. Für uns ist das überlebenswichtig, weil wir einer nach dem anderen von jener Magen-Darm-Unpässlichkeit geplagt werden, vor der unsere Hausärzte uns so gewarnt hatten.

Heute haben wir Samarkand erreicht, den 2700 Jahre alten Haupthandelsplatz der Seidenstraße — zwar auch hier ein Großhotel im Sowjetstil, aber ganz in der Nähe die gut erhaltene Altstadt und zahlreiche historisch und künstlerisch bedeutsame Sehenswürdigkeiten, unter anderem das Grabmal für Tamerlan oder Timor dem Lahmen, der diese Stadt vor über 600 Jahren zu seiner Hauptstadt erkor und heute als Nationalheld des unabhängigen Usbekistan auf den Plätzen die Lenin-Standbilder abgelöst hat.

Wir, die Avanti-Großfamilie verstehen uns allen Unkenrufen zum Trotz immer noch sehr gut. Wir essen gemeinsam, besichtigen gemeinsam die Altertümer, und seit wir den Iran verlassen haben, trinken wir auch mal gemeinsam. Die Frauen sind seither übrigens wie verwandelt und fühlen sich befreit , nachdem sie die unsinnige Kleiderordnung hinter sich gelassen haben. Bis zur Halbzeit der Reise ist es nicht mehr weit. Taschkent markiert dieses Datum, dann werden uns einige Mitreisende verlassen, andere stoßen dazu, und weiter geht es dann in Richtung China.

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