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14 000 KILOMETER: Mit wallenden Gewändern und verhüllten Häuptern

in der Badischen Zeitung vom 01.07.2008
14 000 KILOMETER: Mit wallenden Gewändern und verhüllten Häuptern

Die Frauen in der Reisegruppe auf der Tour nach Peking müssen sich im Iran verhüllen / Zu Besuch in Freiburgs Partnerstadt Isfahan
Zehn Wochen lang reist eine Reisegruppe aus mittlerweile 12 Männern und 12 Frauen im roten Reisebus des Freiburger Unternehmens Avanti-Busreisen über die Seidenstraße nach Peking. In den vergangenen drei Wochen ging es zunächst durch Griechenland und die Türkei. Seit etwa acht Tagen tourt die Gruppe durch Persien und machte jetzt Station in Isfahan, der Partnerstadt Freiburgs. Von der Reise berichtet der ehemalige Studioleiter des SWR in Freiburg, Roland Schrag.

Für die Stadtverwaltung in Isfahan besitzt die nach wie vor einzigartige Partnerschaft mit einer europäischen Stadt offensichtlich einen hohen Stellenwert. So wurden die 24 Reisenden und das vierköpfige Busteam mittags zum Essen in einen Gartenclub der Stadtverwaltung Isfahan eingeladen und mit Geschenken bedacht. An dem Essen nahm auch Mohammad Salavati teil, der einst die Initiative zu dieser Partnerschaft ergriffen hatte und sich dieser Tage in seiner Vaterstadt aufhält. Er bedauerte, dass Freiburg die guten Beziehungen zur Zeit etwas einschlafen lasse. Das Interesse der Freiburger Bürger an Isfahan ist allerdings nach der Beobachtung von Busunternehmer Hans-Peter Christof wieder gewachsen.

Die Abbasi-Karawanserei aus dem frühen 18. Jahrhundert in Isfahan ist längst ein Luxushotel mit orientalischem Charme geworden — im Hof statt Kamelen und Eselskarren jetzt Busse und Autos, statt Ballen mit Spezereien und Stoffen in der Halle sich stapelnde Koffer und Taschen. Der ursprüngliche Zweck dieser altehrwürdigen Raststätte blieb aber erhalten, auch und gerade für Reisende über die Seidenstraße von und nach dem fernen Osten. Ein vergoldeter Käfig schirmt ja im Allgemeinen den Pauschaltouristen vom wirklichen Leben im Gastland ab. Etwas anders ist es auf dieser langen Busreise, die viele Länder quert mit Aufenthalten in großen und in kleineren Städten. Wer will, der sieht und hört viel und bekommt einiges mit vom Alltag.Im Iran teilt sich die Reglementierung des täglichen Lebens vor allem den Frauen in der Gruppe körperlich spürbar mit. Salopp und sportlich gekleidete Europäerinnen des 21. Jahrhunderts mussten bei der Einreise ihre Häupter verhüllen und sich mit wallenden Stoffen behängen. Das mutet einerseits altertümlich an, in der von unseren Frauen entwickelten Kreativität aber auch karnevalesk und bunt. So machen sich die Touristinnen trotz der Hitze mitunter sogar einen Spaß aus dem, was bitterer Ernst für die Iranerinnen ist: Schwarz in Schwarz flattern sie in knöchellangen Mänteln und eng gewundenen Kopfverbänden durch die Straßen, auf dass ja kein unzüchtiger Männerblick ein Stückchen Haut oder Haar erhasche.

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