Abenteuer: Mit dem Reisebus bis China fahren In 74 Tagen von Hamburg nach Shanghai

von Frank Berno Timm im Hamburger Abendblatt am 19. Dezember 2009

Der Busunternehmer Hans-Peter Christoph bricht im Frühjahr zu seiner zweiten Reise über die Seidenstraße auf.

Dass Busunternehmer Hans-Peter Christoph gut ist für Überraschungen, weiß man in seiner Heimat Freiburg. Nicht nur seine knallroten Busse mit dem Avanti-Logo sind ein Blickfang - dem Mann eilt der Ruf voraus, höchst unkonventionelle Reisen anzubieten. Die nächste große Reise dauert immerhin 75 Tage und soll im Frühjahr 2010 in Hamburg starten. Ziel ist Shanghai. Das Abendblatt hat ihn zu seinen Plänen befragt.

Abendblatt: Herr Christoph, warum ist ausgerechnet China das Ziel einer solch langen Reise?

Hans-Peter Christoph: 2010 ist die Expo in Shanghai. Außerdem reizt es mich, weit über die Seidenstraße zu fahren - mehr als 8000 Kilometer.

Abendblatt: Sie waren ja schon einmal in China, als dort die Olympischen Spiele stattfanden. Wie erklärt sich denn diese Lust auf besonders lange Touren?

Christoph: Ich bin schon seit 30 Jahren unterwegs - bereits als Lkw-Fahrer war ich im Orient. Ich habe dann ein paar Semester Islamwissenschaften studiert und eine Koch-Ausbildung gemacht, nebenbei bin ich immer weiter gefahren, auch Bus. Vor 19 Jahren habe ich mich dann selbstständig gemacht. Meine Gäste waren aber noch nie das klassische Publikum. In den ersten Jahren war ich mit Studenten unterwegs, wir sind in die Türkei gefahren. Damals gab es noch keine Billigflieger - mit uns aber damals schon die Möglichkeit, einfach zu verreisen. Vor fünf Jahren habe ich das erste Mal den Iran besucht, war aber auch schon in Libyen, Tunesien und Marokko.

Abendblatt: Ist der Weg nach China für Sie schon so etwas wie Routine?

Christoph: Die erste Reise war noch ein Experiment. Bei der Vorbereitung hat mir das "Forum anders reisen" geholfen, die damals eine Radtour von Athen nach Peking in 180 Tagen angeboten haben. Alles, was über den Iran hinausgeht, war mir ja damals völlig unbekannt - die haben mich dabei unterstützt. Es hat funktioniert.

Abendblatt: Wann und wo werden Sie starten?

Christoph: Am 14. April 2010 in Hamburg. Dann geht es über die Schweiz nach Italien, von dort mit dem Schiff nach Griechenland. Wir durchqueren die Türkei, den Iran, Turkmenistan, Usbekistan. Dann fahren wir nach Kasachstan, von dort nach Kirgisistan, um dann wieder über Kasachstan in China einzureisen.

Abendblatt: Wie lange dauert das?

Christoph: Vom Start bis zum Ziel 74 Tage. Ein Teil der Leute kehrt mit dem Bus zurück, andere nehmen die Eisenbahn, das Schiff oder das Flugzeug.

Abendblatt: Wie beschreiben Sie den besonderen Reiz dieses Unternehmens?

Christoph: Wir sind langsam unterwegs. Es vergeht viel Zeit. Wir erleben den Unterschied von Menschen und Ländern. Das kann man nur, wenn man so wie wir über Land fährt.

Abendblatt: Welches war bei der ersten Reise das kniffligste Problem?

Christoph: Dass wir nicht wussten, wie es an den Grenzen läuft - einem Zöllner im Orient kann ja alles mögliche einfallen, wenn er unseren Bus sieht. Außerdem wusste ich nicht, was sich in Sachen Gruppendynamik so tut.

Abendblatt: Und?

Christoph: Es war perfekt, supergenial! Wir hätten gleich noch mal 70 Tage weiterfahren können.

Abendblatt: Was kostet die Reise denn?

Christoph: Die Hinfahrt ab Hamburg kostet 18 700 Euro. Es ist eine Teilung ab oder bis Taschkent möglich. Der Preis beinhaltet alle Eintritte, die einheimischen Reiseleiter und die Unterbringung. Eine gewöhnliche Pauschalreise machen wir nicht - es wird schon unvorhergesehene Ereignisse geben.

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