Wenn wir mit unseren Bussen ins Rhônetal kommen, haben wir meist weiter entfernte Ziele vor Augen: Südfrankreich, Spanien oder Portugal. Dabei fahren wir an einer der interessantesten Regionen Frankreichs vorbei: dem Département de l’Ardèche. Auf dieser neuen Reise legen wir den Schwerpunkt auf genau diese Gegend: auf die Ardèche und ihre Umgebung.
Die Gorges de l’Ardèche, auf Deutsch die Schluchten der Ardèche, sind ein wilder und tiefer Canyon zwischen Vallon Pont d’Arc und Saint-Martin-d’Ardèche. Er ist 32 Kilometer lang und gehört zu den schönsten in Europa. Die Landschaft hier ist grandios: 250 Meter hohe, mit Garrigue bewachsene Klippen, der Fluss, der sich durch den Canyon schlängelt und eine seltene Flora und Fauna. Aus diesem Grund wurden die Gorges de l’Ardèche zum Naturschutzgebiet erklärt.
Doch nicht die spektakuläre Landschaft, die der Fluss in Jahrmillionen geformt hat, steht auf unserer Reise im Mittelpunkt, auch wenn sie alleine schon die Reise wert wäre. Es ist die Kunst: Zum einen »La Ribaute«, ein Gesamtkunstwerk von Anselm Kiefer, das sich über ein 40 Hektar großes Gelände erstreckt und für Jahrzehnte Inhalt seines Schaffens war. Das andere wird in der exakten Nachbildung der Höhle von Chauvet gezeigt: Zigtausende Jahre alte Malereien von enormer Plastizität und Ausdruckskraft, die erst kürzlich entdeckt wurden und schon zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören. Zwei Kunstwerke, die einzigartiger und gegensätzlicher nicht sein könnten.
Standort unserer 5-tägigen Reise ist das Städtchen Vallon Pont d’ Arc im Tal der Ardèche. Es ist nach dem berühmten Bogen benannt, der die Ardèche am Eingang der Schlucht überspannt. Im Gemeindegebiet befindet sich nicht nur der berühmte Bogen, sondern auch das Original der »Chauvet«-Höhle, und die für Besucher freigegebene Rekonstruktion. Ein wunderbarer Ort.
Maximal 24 Mitreisende!
In Freiburg am Konzerthaus starten wir um 7:30 Uhr. Entspannt gelangen wir an diesem Sonntag ins Elsass, den Jura und fahren weiter Richtung Lyon. Ab Lyon folgen wir der Rhône auf ihrem Weg ans Mittelmeer und erreichen bald das Tal der Ardèche. In dieser wundervollen Umgebung beziehen wir im Städtchen Vallon Pont d’Arc unser Hotel für die nächsten Tage. Gemeinsames Abendessen und erste Übernachtung im »Clos des Bruyères«.
Heute unternehmen wir eine kleine Rundfahrt durch die spannende Gegend, die unser Ziel ist. Wir kommen durch den Naturpark Monts d’Ardèche zunächst nach Aubenas, die Hauptstadt des südlichen Ardèche-Gebietes. Sie thront auf einem Felssporn an der Kreuzung wichtiger Verkehrswege zwischen dem Zentralmassiv, dem Rhônetal und dem Süden Frankreichs. Die Stadt bietet ein herrliches Panorama über das Ardèche-Tal, das Ardèchoise-Gebirge und das Coiron-Massiv. Zusätzlich hat die mittelalterliche Stadt ein reiches architektonisches Erbe. Ihre außergewöhnliche Geschichte ist mit Wasser, der Seidenherstellung und der Kastanie verbunden, der Symbolfrucht dieser Region. Der Kastanie widmet sich ein eigenes Museum in der kleinen mittelalterlichen Stadt Joyeuse im Süden der Ardèche, wo wir etwas später am Tage eine Führung haben. Der Legende nach wurde Joyeuse im Jahr 802 gegründet und verdankt ihren Namen dem Schwert, das Kaiser Karl der Große dort bei seiner Rückkehr aus Spanien zur Schau trug. (rund 100 km)
Die Höhle von Chauvet wurde am 18. Dezember 1994 von den Speläologen Jean-Marie Chauvet, Éliette Brunel Deschamps und Christian Hillaire entdeckt. Sie gilt als älteste verzierte Höhle der Welt mit Fresken, die auf ein Alter von 36.000 Jahren datiert werden. Die Höhle wurde 2014 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Sie ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, da eine Veränderung der Luftfeuchtigkeit zu Pilzbefall und damit zur Gefährdung der Malereien führen könnte. Diese Erfahrung wurde schon Mitte der 1960er Jahre in der Höhle von Lascaux und Ende der 1970er Jahre in der Höhle von Altamira gemacht, deren Zugänge seitdem ebenfalls stark reglementiert sind. Selbst die autorisierten Forscher dürfen nur in Abständen von wenigen Stunden dort arbeiten, nämlich im Frühjahr für vier Wochen und im Herbst für zwei Wochen.
Um diesen einzigartigen und für Besucher von Anfang an gesperrten Ort zu schützen, wurde ein Komplex aus fünf Gebäuden gebaut, in denen die Höhle Chauvet maßstabsgetreu nachgebildet wurde und in denen sich eine Dauerausstellung der Aurignac-Kulturstufe und der Höhlenmalerei widmet. Dieser Komplex ist in 2015 im Gemeindegebiet von Vallon-Pont-d'Arc eröffnet worden. Hier haben wir am Vormittag eine Führung. Am Nachmittag widmen wir uns einer weiteren bekannten Höhle, der Tropfsteinhöhle Aven d’Orgnac. Entdeckt wurde sie im Jahr 1935 und kann bei einem Rundgang besichtigt werden. Die Geschichte der Höhle begann jedoch schon vor 100 Millionen Jahren mit der Bildung des Kalkgesteins. Auch die ersten Menschen hinterließen vor über 350.000 Jahren hier ihre Spuren: Feuerstellen, Faustkeile, Speerspitzen … Neben der Höhle gibt es mit der Cité de la Préhistoire ein modernes und spielerisches Museum, das 350.000 Jahre menschlicher Abenteuer nacherzählt und uns die Urgeschichte Westeuropas näherbringt. Am späteren Nachmittag kehren wir ins Hotel nach Vallon Pont d’Arc zurück. (60 km)
Dank seiner eigenwilligen Bildsprache voller Bezüge zu Geschichte, Mythologie und Literatur wurde Anselm Kiefer (Jahrgang 1945) zu einem der größten Künstler unserer Zeit. 1993 richtete er im südfranzösischen Barjac in den Cevennen sein Atelier auf dem Industriegelände einer ehemaligen Seidenfabrik ein. Als er es 2008 verließ, hinterließ er auf dem Gelände 52 zum Teil sehr große Gebäude. La Ribaute wurde als Gesamtkunstwerk angelegt, das sich über ein 40 Hektar großes Gelände erstreckt. Es besteht aus einem komplexen Netzwerk von Wegen und Tunneln, die zahlreiche Häuser und unterirdische Räume miteinander verbinden.
Unsere Besichtigungstour dauert rund 3 Stunden und folgt einer Route, die anhand einer Auswahl der wichtigsten Werke von La Ribaute entwickelt wurde. Sie umfasst Gemälde, Skulpturen und Installationen, die von den 1990er Jahren bis heute entstanden sind. Die Führung ermöglicht es, die verschiedenen Ebenen des Geländes und zentrale Themen der Arbeit von Anselm Kiefer näher kennenzulernen. Der Weg wird zu Fuß zurückgelegt und umfasst Feldwege, steil ansteigende Strecken, Treppen und enge unterirdische Tunnel. Wir empfehlen Ihnen, geeignetes Schuhwerk zu tragen. Da ein Großteil der Tour im Freien stattfindet, raten wir Ihnen, Ihre Kleidung den Wetterbedingungen anzupassen.
Im Anschluß, wenn wir müde und erschöpft von so viel Input sind, machen wir zum Ausgleich eine Weinprobe im Château de la Selve und bekommen dazu auch etwas zu essen. Nein, hungrig geht hier keiner hinaus, und bio ist es auch auch noch! Am Nachmittag kehren wir in unser Hotel zurück.
Weil wir schon einmal dabei sind, versteckte (Kunst-) Schätze zu heben, haben wir noch eine berührende Begegnung auf der Rückfahrt nach Freiburg: mit dem Palais Idéal du Facteur Cheval. Hier treffen wir um die Mittagszeit ein. Wer zum ersten Mal von einem »Palast eines Postboten« hört, denkt vermutlich an eine Anekdote oder eine Legende. Doch im kleinen Ort Hauterives, im Département Drôme, steht tatsächlich ein Bauwerk, das in der europäischen Kunstgeschichte seinesgleichen sucht. Der Palais Idéal, wie Ferdinand Cheval ihn selbst nannte, ist kein Schloss und kein Museum, sondern ein Ort, an dem Fantasie buchstäblich Stein geworden ist. Der Palais Idéal du Facteur Cheval entzieht sich jeder eindeutigen Kategorie. Er ist weder klassische Burg noch Tempel, weder reiner Skulpturengarten noch religiöser Ort – und dennoch trägt er Züge von all dem. Nach einer Führung fahren wir weiter Richtung Lyon und kommen gegen 21 Uhr zurück nach Freiburg.