Die Pyrenäen erstrecken sich im Südwesten Europas vom Mittelmeer bis an den Atlantik. Die nördliche Hälfte liegt in Frankreich, die südliche in Spanien. In der Mitte ganz oben und ganz winzig, da liegt Andorra, inmitten von Bergen, Tälern, Schluchten, Hochweiden, Almwiesen und Bergseen. Über eine Länge von 430 Kilometern erreicht die Bergkette Höhen von bis zu 3400 m. Ein Nationalpark reiht sich an den anderen, urige Bergdörfer und romanische Kirchlein künden von vergangenen Zeiten. Nur ein paar Skilifte verschandeln wie andernorts in den Bergen gelegentlich die Landschaft. Trotzdem finden wir hier nur einen Bruchteil der Besucher, die beispielsweise die Alpen überrennen.
Massen- oder Overtourismus sind in den Pyrenäen Fremdworte. Für Liebhaber atemberaubender Regionen, für Wanderer und Bergsteiger, Naturliebhaber und Neugierige sind die Pyrenäen das Paradies – ein Geheimtipp mitten in Europa und exotischer als alles, was wir hier sonst an Gebirgen finden.
In beträchtlichen Teilen führt diese Reise entlang der spanischen Nationalstraße 260, die in Spanien »Eje Pirenaico,« Pyrenäenachse genannt wird. Aufgrund ihrer Streckenführung gilt die N 260 als eine der schönsten Straßen der Welt. Sie ist die nördlichste Ost-West-Nationalstraße Spaniens. Aber auch, wenn wir von Spanien über Pässe auf die französische Seite und hoch nach Andorra fahren, sind die Strecken und Landschaften sagenhaft schön und spektakulär. Darüber hinaus legen wir einen kleinen Teil unserer Gebirgsstrecken sogar mit dem Zug zurück, dem legendären »Train Jaune«.
Maximal 24 Mitreisende.
Gleich am ersten Tag legen wir mit der Strecke von Freiburg nach Perpignan die längste Etappe dieser Reise zurück. Durchs Elsass, Jura und die Bresse fahren wir Richtung Lyon, von dort durch das Rhonetal und weiter an Montpellier, Beziers und Narbonne nach Perpignan zu Füßen der Pyrenäen. Noch ein kurzer Spaziergang und wir essen zusammen zu Abend. (880 km)
Der »kleine gelbe Zug«, le petit train jaune, ist ein Symbol Kataloniens und fährt seit fast 100 Jahren vom malerischen Pyrenäen-Städtchen Villefranche ins rund 62 km entferne Latour de Carol an der spanischen Grenze. Im Wesentlichen besteht der Zug der höchstgelegenen Eisenbahn Frankreichs aus den Original-Fahrzeugen der Eröffnungsjahre. Genau diesen Zug nehmen wir auf dem Weg hoch ins Gebirge, gute drei Stunden dauert die Fahrt. Danach steigen wir wieder in den »großen roten Bus«, unseren Car Rouge und lassen uns nach La Seu d’Urgell bringen, wo wir die nächsten beiden Tage im Parador übernachten. (150 km)
La Seu d’Urgell liegt am Zusammenfluss der Flüsse Valira und Segre und ist die wichtigste Stadt im Norden der Provinz Lleida. Im Südosten der Stadt erhebt sich die spektakuläre Gebirgskette Sierra de Cadí. Das interessanteste Bauwerk des Orts ist die Kathedrale - ein schönes Beispiel der italienisch beeinflussten Romanik im Katalonien des 11. und 12. Jahrhunderts. Ebenfalls sehenswert sind die romanische Kirche Sant Miquel aus dem 11. Jahrhundert, die Kirche Sagrada Familia, das Stadthaus aus dem 15. Jahrhundert und das Diözesanmuseum, in dem bemerkenswerte mittelalterliche Malereien und Skulpturen ausgestellt sind. Die Altstadt hat schöne, von Arkaden gesäumte Straßen und alte Stammhäuser. Hier liegt das Kloster Sant Domingo, in dem heutzutage das Parador-Hotel untergebracht ist, in dem wir wohnen. Am heutigen Vormittag machen wir einen geführten Spaziergang durch die Stadt, den Rest des Tages lassen wir frei. Eine weitere Übernachtung im Parador von La Seu.
Heute ist ein Schau- und Fahrtag. Wir befahren die N 260 auf einer unglaublich schönen Strecke mit den herrlichsten Ausblicken in die Ausläufer der Pyrenäen und die Pyrenäen selbst. Wir kommen durch Flusstäler und Gebirgsschluchten, winden uns Passstraßen hoch und wieder hinab, halten in Dörflein und kleinen Orten. In Ainsa zum Beispiel, einem denkmalgeschützten mittelalterlichen Städtchen mit alten Steinhäusern, schmiedeeisernen Gittern, gesicherten Fenstern, Balkonen mit Blumenkästen und einer romanischen Pfarrkirche mit einem mächtigen viereckigen Glockenturm aus dem 12. Jahrhundert. Langsam bewegen wir uns heute nach Westen und erreichen am Abend Sabiñánigo, wo wir wieder zwei Übernachtungen einlegen. (280 km)
In den Pyrenäen von Aragón kommen Hochgebirgsliebhaber in den Genuss eines in Spanien einzigartigen Nationalparks: der Nationalpark von Ordesa und Monte Perdido. Vier Haupttäler (Añisclo, Escueta, Ordesa und Escuaín) und eine Reihe von Gipfeln, unter denen der Monte Perdido hervorsticht, bilden eine atemberaubende Kulisse, in der verschiedene Ökosysteme nebeneinander existieren. Ein Naturparadies, in dem Sie auf Wiesen, riesige Wälder, unglaubliche Schluchten, Gletscher, ewigen Schnee und eine einzigartige Karstlandschaft stoßen, die im Verlauf von tausenden von Jahren gebildet wurde. Hierhin unternehmen wir von Sabiñánigo aus einen Ausflug mit unserem Bus. (90 km)
Die Stadt Jaca liegt auf einer Erhebung über dem Fluss Aragón. Die ehemalige Hauptstadt des Königreiches von Aragón ist die erste Station des spanischen Zweiges des Jakobswegs, der vom Pyrenäen-Pass Somport durch das Tal des Flusses Aragón führt. Hier sehen wir uns um, besichtigen die romanische Kathedrale und fahren weiter nach Canfranc Estación. Der internationale Bahnhof von Canfranc in den Pyrenäen ist ein gescheitertes Infrastrukturprojekt, das Anfang des 20. Jahrhunderts verwirklicht wurde. Das Empfangsgebäude zählte mit fast 250 m Seitenlänge zu den größten Bahnhöfen in Europa, als er 1928 von dem spanischen König und dem französischen Präsidenten eingeweiht wurde. Die Eisenbahnstrecke verband die südfranzösische Stadt Pau mit Zaragoza, Hauptstadt von Aragón. Doch die Strecke erwies sich als zu langsam, um als Teilstück einer internationalen Eisenbahnverbindung zwischen Paris und Madrid tauglich zu sein und wurde schließlich stillgelegt. Seit dem Jahre 2023 ist ein Luxushotel in dem spektakulär wieder hergerichteten Bau untergebracht. Danach geht es auf die französische Seite der Pyrenäen und wir treffen am späten Nachmittag im Pilgerort Lourdes zu Füßen der Berge ein.
Denn wenn wir schon die Pyrenäen als Schwerpunkt dieser Reise haben, wollen wir auch ihren berühmtesten Ort besuchen. Jahr für Jahr reisen mehrere Millionen Pilger, darunter auch Zehntausende Kranke und Behinderte, nach Lourdes, wo 1858 dem damals 14-jährigen Hirtenmädchen Bernadette Soubirous 18 Mal Maria erschienen sein soll. Immer wieder kommt es zu unerklärlich anmutenden Heilungen, die durch ein internationales Ärztekomitee geprüft werden. 30.000 Heilungen soll es bislang gegeben haben; 6.000 sind dokumentiert, 2.000 gelten als »medizinisch unerklärlich«. Die Zahl der kirchlich anerkannten Wunderheilungen liegt bei 67. Dem sogenannten Lourdes-Wasser aus einer Quelle nahe der Mariengrotte werden heilende Kräfte zugeschrieben. Was werden wir hier erleben? (155 km)
Am Vormittag lassen wir uns Zeit für Lourdes. Jede/r kann nach dem Frühstück im Pilgerort tun und lassen, was er/sie möchte. Nach der Mittagspause sehen wir uns im Bus und fahren in die Berge hinein. Zunächst auf der Autobahn, später schrauben wir uns auf den gut ausgebauten Nationalstraßen 20 und N 22 ins Hochgebirge und erreichen Andorra über die Passhöhe von gut 2400 m ü.M. Zwei Übernachtung haben wir in Andorra gebucht. (280 km)
Nach dem Frühstück machen wir einen Rundgang durch das historische Zentrum von Andorra. Der Rest des Tages ist frei. Sie könnten zum Beispiel einkaufen, denn schließlich ist Andorra bekannt als zollbegünstigtes Einkaufsparadies …
Bevor wir heute morgen den Zwergstaat verlassen, tanken wir unseren Bus noch voll. So wie Sie mit Ihren gestrigen Einkäufen möglicherweise einiges gespart haben, freuen wir uns über niedrigere Dieselpreise als in Frankreich oder Spanien. Kurz hinter der Grenze kommen wir durch La Seu d‘Urgell, wo wir vor ein paar Tagen schon waren und nehmen nun die Nationalstraße 260 in östliche Richtung unter die Räder. Wieder eine wunderbare, aber auch sehr kurvenreiche Strecke. Nicht umsonst zählt sie zu den schönsten Straßen der Welt. Rund 200 Kilometer sind wir unterwegs, sehen wieder grandiose Landschaften und stille Weiler, romanische Kirchlein und uralte Städtchen, bis wir am späteren Nachmittag in Olot eintreffen. Wir machen einen Spaziergang und schauen uns vor dem Abendessen ein wenig im wunderschönen Städtchen um.
Keine halbe Stunde von Olot entfernt stoßen wir in Besalú auf ein bedeutendes Erbe aus dem Mittelalter. Das Städtchen liegt in der Gegend der Garrotxa, in unmittelbarer Nähe zur spektakulären Landschaft des Naturparks der Garrotxa und der letzten Ausläufer der Pyrenäen. Die ganze Altstadt Besalú wurde gründlich renoviert und steht heute komplett unter Denkmalschutz. Niedrige Steinhäuser und enge Gassen prägen die Ortschaft. Das Städtchen zählt zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Orten in Katalonien. Hier sehen wir uns ebenfalls um, bevor wir uns auf die Heimreise machen und nach Avignon fahren. (350 km)
Anstrengend wird es heute nicht, denn wir fahren nur auf der Autobahn. Zunächst auf der Autoroute du Soleil durch das Rhonetal nach Lyon und danach durch die Bresse, das Jura und Elsass nach Freiburg. Dort treffen wir gegen 18 Uhr ein. (660 km)